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Geplante Hauptstädte: bewusst gebaut und verlegt
Die meisten Hauptstädte sind über Jahrhunderte gewachsen, oft an einem Fluss oder Hafen. Ein paar aber wurden bewusst am Reißbrett entworfen und dorthin gesetzt, wo vorher Savanne, Busch oder Ackerland lag. Sechs dieser geplanten Hauptstädte lohnen einen genaueren Blick, denn hinter jeder steckt eine sehr konkrete Entscheidung.
Brasília: in 41 Monaten aus dem Boden
Bis 1960 regierte Brasilien von Rio de Janeiro aus, direkt an der Atlantikküste. Präsident Juscelino Kubitschek wollte die Entwicklung des Landes ins Innere lenken und ließ mitten im Hochland eine komplett neue Hauptstadt errichten. Der Stadtplaner Lúcio Costa entwarf den Grundriss, der von oben an ein Flugzeug oder einen Vogel erinnert, Oscar Niemeyer lieferte die geschwungenen Regierungsbauten aus Beton.
Gebaut wurde in atemberaubendem Tempo. In nur rund 41 Monaten stand die Stadt, am 21. April 1960 wurde Brasília offiziell eingeweiht. Heute gehört der zentrale Pilotplan zum UNESCO-Welterbe.
Canberra: ein Kompromiss zwischen zwei Städten
Als sich die australischen Kolonien 1901 zu einem Bund zusammenschlossen, wollten sowohl Sydney als auch Melbourne die Hauptstadt sein. Die Lösung war ein Ort dazwischen. 1908 fiel die Wahl auf ein Stück Land im Landesinneren von New South Wales, weit genug von beiden Städten entfernt.
Ein internationaler Wettbewerb entschied über den Entwurf. 1912 gewann das Architektenpaar Walter Burley Griffin und Marion Mahony Griffin aus Chicago mit einem Plan voller Kreise, Achsen und Sichtlinien. Am 12. März 1913 wurde der Grundstein gelegt und der Name Canberra offiziell verkündet.
Washington und Abuja: neutral in die Mitte gesetzt
Das Prinzip ist älter als Brasília. Die USA legten ihre Hauptstadt schon 1790 per Gesetz an einen neuen Ort am Potomac, etwa auf halbem Weg zwischen dem Norden und dem Süden des jungen Landes. Der französische Ingenieur Pierre Charles L'Enfant entwarf das Straßenraster mit seinen strahlenförmigen Avenuen. Bis der Regierungssitz 1800 von Philadelphia dorthin umzog, war Washington kaum mehr als eine Idee auf sumpfigem Grund.
Nigeria wählte 1991 einen ähnlichen Weg. Das überfüllte Lagos an der Küste gab die Rolle der Hauptstadt an Abuja ab, das eigens im geografischen Zentrum des Landes geplant wurde. Ein zentraler, neutraler Ort sollte keine der großen Regionen bevorzugen.
Sechs Hauptstädte am Reißbrett
Das Muster wiederholt sich rund um die Welt. Diese sechs Städte wurden bewusst zur Hauptstadt gemacht oder eigens dafür gebaut:
- Brasília: seit 1960 Hauptstadt Brasiliens, gebaut im Hochland statt am Meer.
- Canberra: seit 1913 als Kompromiss zwischen Sydney und Melbourne angelegt.
- Washington, D.C.: per Gesetz von 1790 am Potomac festgelegt, ab 1800 Regierungssitz.
- Abuja: löste 1991 das überfüllte Lagos ab, zentral in Nigeria gelegen.
- Astana: seit 1997 Hauptstadt Kasachstans, verlegt aus dem südlicheren Almaty.
- Naypyidaw: übernahm 2005 von Yangon die Rolle der Hauptstadt Myanmars.
Warum Länder ihre Hauptstadt verlegen
Die Gründe ähneln sich erstaunlich. Oft ist die alte Hauptstadt zu voll oder zu einseitig an einer Küste gelegen, wie Rio oder Lagos. Manchmal soll ein neutraler Ort alte Standortfragen entschärfen, wie in Canberra oder bei Abuja, das bewusst in die Mitte des Landes gesetzt wurde. Und häufig geht es darum, das Landesinnere zu erschließen, das sonst abgehängt bleibt.
Der Preis dafür ist hoch. Geplante Hauptstädte wirken in den ersten Jahren oft leer und kühl, weil das gewachsene Leben fehlt. Washington brauchte Jahrzehnte, um mehr als eine Baustelle am Fluss zu sein. Astana trägt sogar einen Guinness-Rekord für die meisten Namensänderungen einer Hauptstadt der jüngeren Zeit: Aqmola, dann Astana, ab 2019 Nur-Sultan, seit 2022 wieder Astana.
In CountryRush tauchen genau solche Hauptstädte auf, auch die, die man leicht verwechselt oder gar nicht auf dem Schirm hat. Der Daily Trip bringt jeden Tag eine neue Runde aus Ländern, Flaggen und Hauptstädten.