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Europäische Zwergstaaten von Vatikan bis Andorra
Sechs Länder in Europa sind so klein, dass sie auf mancher Karte nur als Punkt mit einer Fahne daneben auftauchen. Zusammengelegt kämen Vatikan, Monaco, San Marino, Liechtenstein, Malta und Andorra nicht einmal auf die Fläche eines mittleren Landkreises. Trotzdem haben sie eigene Regierungen, eigene Pässe und eigene Briefmarken. Im Quiz haben sie einen festen Platz, gerade weil man sie so leicht vergisst.
Vatikan und Monaco: die beiden Winzlinge
Der Vatikan ist mit rund 0,44 Quadratkilometern der kleinste Staat der Welt, kleiner als viele Stadtparks. Er entstand 1929 durch den Lateranvertrag als unabhängiger Rest des früheren Kirchenstaats und wird als Wahlmonarchie vom Papst regiert. Rundherum liegt nur Rom, bewacht wird er von der Schweizergarde in ihren gestreiften Uniformen.
Monaco ist mit gut zwei Quadratkilometern das zweitkleinste Land und zugleich das am dichtesten besiedelte der Erde. Auf einem schmalen Streifen an der Mittelmeerküste, keine vier Kilometer lang, drängen sich rund 38.000 Menschen. Das Fürstentum wird seit dem 13. Jahrhundert von der Familie Grimaldi geführt, der bekannteste Stadtteil heißt Monte Carlo und ist für sein Casino und das Formel-1-Rennen bekannt.
San Marino und Andorra: Reste aus dem Mittelalter
San Marino liegt vollständig von Italien umschlossen auf dem Berg Monte Titano, dessen drei Türme im Wappen stehen. Das Land beruft sich auf das Gründungsjahr 301 und gilt damit als älteste noch bestehende Republik. Der Legende nach zog sich dort ein Steinmetz namens Marinus zurück und gründete eine kleine Gemeinschaft.
Andorra liegt hoch in den Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien. Seine Besonderheit ist die Staatsspitze: Zwei Ko-Fürsten teilen sich das Amt, der französische Präsident und der Bischof von Urgell auf der spanischen Seite. Diese Konstruktion geht auf einen Vertrag von 1278 zurück und hält bis heute. Wer herkommt, kommt über die Straße, denn einen eigenen Flughafen gibt es nicht. Bezahlt wird mit dem Euro, obwohl Andorra gar nicht zur EU gehört.
Liechtenstein und Malta: die Sonderfälle
Liechtenstein zwischen Österreich und der Schweiz ist eines von nur zwei doppelt eingeschlossenen Ländern der Welt. Um von hier ans Meer zu kommen, muss man mindestens zwei Grenzen überqueren. Das Fürstentum mit rund 40.000 Einwohnern zahlt mit dem Schweizer Franken und bildet mit der Schweiz eine Zoll- und Währungsunion, gehört aber nicht zur EU.
Malta fällt aus der Reihe, weil es kein Land im Gebirge oder im Binnenland ist, sondern eine Inselgruppe im Mittelmeer südlich von Sizilien. Mit 316 Quadratkilometern ist es das kleinste EU-Mitglied nach Fläche und Einwohnerzahl. Die Hauptstadt Valletta ist zugleich die kleinste Hauptstadt der Union, den Euro führte das Land 2008 ein. Gesprochen wird Maltesisch, die einzige semitische Sprache, die mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird und Amtssprache der EU ist.
Die sechs auf einen Blick
Von unter einem halben Quadratkilometer bis knapp fünfhundert reicht die Spanne:
- Vatikan: rund 0,44 km2, kleinster Staat der Welt, seit 1929 unabhängig.
- Monaco: gut 2 km2, am dichtesten besiedelt, Fürstentum der Grimaldi.
- San Marino: rund 61 km2, ganz von Italien umschlossen, beruft sich auf das Jahr 301.
- Liechtenstein: rund 160 km2, doppelt eingeschlossen, zahlt mit dem Schweizer Franken.
- Malta: 316 km2, Inselstaat, kleinstes EU-Mitglied.
- Andorra: 468 km2, in den Pyrenäen, geführt von zwei Ko-Fürsten.
Warum es sie überhaupt noch gibt
Vor zweihundert Jahren war Europa ein Flickenteppich aus Hunderten kleiner Herrschaften. Im 19. Jahrhundert schlossen sich die meisten zu großen Nationalstaaten zusammen, Italien und Deutschland entstanden jeweils aus Dutzenden Einzelteilen. Diese sechs rutschten durch, weil sie zu abgelegen, zu unbedeutend oder durch alte Verträge geschützt waren. Heute leben sie gut davon, klein zu sein, mit Tourismus, Finanzdiensten und Sammlerbriefmarken.
Im Quiz sind Zwergstaaten heikel, weil ihr Umriss kaum zu erkennen ist und sich die Flaggen leicht verwechseln lassen. In CountryRush tauchen sie regelmäßig auf, damit Monaco und San Marino nicht untergehen. Der Daily Trip schiebt sie zwischen die großen Länder, wo man sie am wenigsten erwartet.